Was hat Fasten mit Genuss zu tun?
Für die meisten Menschen hierzulande ist es wahrscheinlich unvorstellbar eine Woche lang nichts oder fast nichts zu essen. Wie sollte gerade der Verzicht auf all die guten Sachen ein Genuss sein?

Fasten gehört bei allen Weltreligionen zur Tradition und wird heute immer häufiger auch von „Nichtgläubigen“ praktiziert. Schon im alten Griechenland waren die positive Wirkungen wohl bekannt. Der griechische Arzt und Philosoph Hippokrates (460 v. ‚Ch.) sagte dazu: „Sei mäßig in allem, atme reine Luft, treibe täglich Hautpflege und Körperübung … und heile ein kleines Weh eher durch Fasten als durch Arznei.“

Neueste wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass regelmäßiges Fasten eine lebensverlängerte Wirkung hat. Neben dem klassischen Fasten nach Buchinger gibt es heute zahlreiche Arten wie Themenfasten, Klosterfasten, Basenfasten usw. Dr. Otto Buchinger fand heraus, dass Fasten das Immunsystem stärkt und die Selbstheilkräfte aktiviert. Da auch überschüssiges Fett abgebaut wird, werden die inneren Organe entlastet sowie der Blutdruck, die Verdauung und der Stoffwechsel positiv beeinflusst.

Um den Muskelabbau möglichst gering zu halten, gehören zum Fastenprogramm auch Bewegungs- und Entspannungsübungen. Massagen und Saunabesuche unterstützen zusätzlich das „Entgiften“. Wer fasten will, sollte grundsätzlich gesund und belastbar sein. Und sich vorab bewusst machen, worin die Chancen, aber auch die Grenzen dieser Selbsterfahrung liegen.

Für mich ist Fasten jedoch mehr als nur der Verzicht auf feste Nahrung. Es ist auch oder vor allem eine Unterbrechung von gewohnten Strukturen und bewusster Rückzug vom Konsum. Zur Ruhe kommen. Aussteigen aus dem Alltag und achtsam zu sich und der Umwelt zu sein.

Ich stelle beim Fasten immer wieder fest, wie schnell mein Körper in den „Ruhe-Modus“ umschaltet. Nach ein paar Tagen finde ich meinen ganz persönlichen Rhythmus: alles geht langsamer, Spannungen verschwinden und eine angenehme Leichtigkeit breitet sich aus. Ich fühle mich wieder verbunden mit mir selbst, bin gelassener und offener. Durch die erhöhte Achtsamkeit sind meine Sinne geschärft: Schmecken, riechen, fühlen, hören, sehen. Alles wird zum Genuss. Früher hätte ich mir nicht vorstellen können, dass man sich nach einer Woche ohne Essen kraftvoll und erholt fühlen kann.

Nach dem Fasten ist die Zeit besonders günstig, ausgefahrene Gleise zu verlassen. Man fühlt sich stark und ausgeglichen. Mit dieser Kraft lassen sich gute Vorsätze leichter ins Alltagsleben integrieren und neue Perspektiven finden.

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